GOLDENES HAUS 2017 steht in Sei­ten­brück

GOLDENES HAUS 2017

GOLDENES HAUS 2017 steht in Sei­ten­brück – Fuge No. 1 ist die Schöns­te im Dorf

Frankfurt/​Erfurt Wie wol­len wir künf­tig woh­nen? Jeder Mensch hat dazu eige­ne Wün­sche und Vor­stel­lun­gen. Des­halb such­ten die Lan­des­bau­spar­kas­sen (LBS) und die Zeit­schrift DAS HAUS“ beim dies­jäh­ri­gen Bau­her­ren-Wett­be­werb DAS GOLDENE HAUS“ deutsch­land­weit nach den Traum­häu­sern der Deut­schen. Unter dem Mot­to Gut geplant: Wir woh­nen nach­hal­tig und smart“ bewar­ben sich 83 Bau­her­ren, um mit indi­vi­du­ell geplan­ten Grund­ris­sen, beson­de­ren Raum­lö­sun­gen und klu­gen Details zu über­zeu­gen. Unter den Ein­sen­dun­gen ver­gab die Jury zwei Haupt­prei­se, vier Son­der­prei­se sowie zwei Aner­ken­nun­gen. Eine der Aner­ken­nun­gen geht nach Thü­rin­gen an Dr. Horst Men­trup und Ursu­la Schi­won-Men­trup, die ihr 2011 erwor­be­nes Bau­ern­haus umfas­send moder­ni­sie­ren lie­ßen. Den Auf­trag über­ga­ben sie an das Jena­er Archi­tek­tur­bü­ro Mer­le Stan­kow­ski“, zu des­sen Grün­dern ihre Toch­ter Lina Men­trup gehört. Die­se weck­te mit ihren Part­nern Julia Fran­zis­ka Stef­fen und Mau­ricio Alber­to­ni das rui­nö­se Haus aus dem Dorn­rös­chen­schlaf. Der Jury des GOLDENEN HAUSES“ war die­se Leis­tung einen Aner­ken­nungs­preis wert, der mit 1.000 Euro dotiert ist. Heu­te ist das Objekt das Schmuck­stück von Sei­ten­brück, einem 80-Ein­woh­ner-Dorf in der Nähe der Por­zel­l­an­stadt Kah­la.

Länd­li­cher Lebens­raum wie­der­ent­deckt

In den Städ­ten explo­die­ren die Bau­prei­se und Mie­ten. Gleich­zei­tig wächst auf dem Land der Leer­stand. Vie­le Exper­ten plä­die­ren in die­ser Situa­ti­on ein­sei­tig für inner­städ­ti­sche Nach­ver­dich­tung. Das Sei­ten­brü­cker Pro­jekt des Büros Mer­le Stan­kow­ski“ zeigt dage­gen, wie länd­li­cher Lebens­raum bewahrt und an moder­ne Bedürf­nis­se ange­passt wer­den kann. Das Bau­her­ren-Paar Men­trup hat­te sich vor sechs Jah­ren spon­tan in den klei­nen Ort ver­liebt. Kein Wun­der, denn mit sei­nen zahl­rei­chen behut­sam restau­rier­ten Fach­werk­häu­sern und his­to­ri­schen Bau­ten wie der Brun­nen­stu­be ist er ein har­mo­ni­sches unzer­stör­tes Ensem­ble und auch ein belieb­tes Aus­flugs­ziel. So wuchs bei Horst und Ursu­la Men­trup der Wunsch, hier etwas Eige­nes zu erwer­ben, das dann zum Zuhau­se für die drei­köp­fi­ge Fami­lie ihrer in Jena berufs­tä­ti­gen Toch­ter wur­de. Das Bau­ern­haus aus dem 18. Jahr­hun­dert ist typisch für die regio­na­le Bau­wei­se. Als wir uns das Objekt und die ande­ren Häu­ser im Dorf zum ers­ten Mal ansa­hen, war schnell klar, dass Fugen hier ein weit ver­brei­te­tes Gestal­tungs­mit­tel sind“, erin­nert Lina Men­trup sich im Rück­blick. Auch unser Objekt trägt auf einem mas­si­ven Stein­so­ckel das Ober­ge­schoss als Fach­werk­kon­struk­ti­on. Es ent­steht zwangs­läu­fig eine Fuge, in der ver­schie­de­ne Mate­ria­li­en auf­ein­an­der tref­fen und ver­bun­den wer­den müs­sen.“ So erhielt das ers­te gro­ße Pro­jekt des jun­gen Archi­tek­tur­bü­ros sei­nen Namen: Fuge No. 1.

Alte Sub­stanz nach­hal­tig erneu­ert

Die Fuge ent­wi­ckel­te sich zum Leit­mo­tiv für den Ent­wurf. Mas­si­ve Bau­wei­se trifft auf Leicht­bau­wei­se. Alte Sub­stanz wur­de respekt­voll wei­ter­ent­wi­ckelt und an heu­ti­ge Wohn­idea­le ange­passt. Als Bau­stof­fe dien­ten natür­li­che und nach­wach­sen­de Mate­ria­li­en. Theo­re­tisch lässt sich das Haus zu 95 Pro­zent wie­der der Natur zurück­füh­ren“, erklärt Julia Fran­zis­ka Stef­fen, Part­ne­rin im Archi­tek­tur­bü­ro. Die Däm­mung besteht aus Lehm­leicht­stei­nen und Hanf, die Wän­de sind mit Lehm ver­putzt. Für die Möbel und Ein- bzw. Aus­bau­ten wur­den Drei­schicht-Fich­ten-Plat­ten ver­wen­det. Die­se Mas­siv­holz­plat­ten aus ein­zel­nen, mit­ein­an­der ver­leim­ten Holz­la­mel­len haben den Vor­teil, dass sie kaum arbei­ten, weil dem Holz so die natür­li­che Span­nung genom­men ist.

Unge­wöhn­li­che Lösun­gen

Der Grund­riss des alten Hau­ses erwies sich als über­ra­schend modern: auf jeder Gie­bel­sei­te ein Raum und in der Mit­te der Ver­sor­gungs- und Erschlie­ßungs­kern. Heu­te liegt im Erd­ge­schoss zur Stra­ße hin das Ess­zim­mer mit über Eck ange­schlos­se­ner Küche. Rich­tung Gar­ten lässt sich das Wohn­zim­mer mit einer gro­ßen dop­pel­flü­ge­li­gen Tür öff­nen. Im Ober­ge­schoss schla­fen an der einen Gie­bel­sei­te die Eltern, am ande­ren Ende das Kind. In der Mit­te befin­den sich Trep­pe und Bad. Unge­wohnt sind die Aus­bli­cke, die sich den Bewoh­nern bie­ten: Die Fens­ter des Ober­ge­schos­ses wur­den im Kniestock ein­ge­setzt, zwi­schen Holz­bal­ken­bo­den und Dach­schrä­ge. Aus dem Bett bie­tet sich Lang­schlä­fern der direk­te Blick ins Grü­ne, und auch spie­len­de Kin­der freu­en sich über den Aus­blick.

Bei­trag zur Stär­kung regio­na­ler Iden­ti­tät

Alt und Neu ste­hen bei Fuge No. 1 gleich­be­rech­tigt neben­ein­an­der. Wir haben die tra­di­tio­nel­le dörf­li­che Bau­wei­se bewusst auf­ge­grif­fen und fort­ge­führt“, erläu­tert Mau­ricio Alber­to­ni, eben­falls Part­ner bei Mer­le Stan­kowk­si“, das Kon­zept. Das trug dem Archi­tek­tur­bü­ro im ver­gan­ge­nen Jahr eine Aner­ken­nung im Rah­men des Thü­rin­ger Staats­prei­ses für Archi­tek­tur und Städ­te­bau ein. Eine star­ke regio­na­le Iden­ti­tät fin­det mitt­ler­wei­le auch beim brei­ten Publi­kum immer mehr Anklang. Das zeig­te sich zuletzt am Tag der Archi­tek­tur im Juni die­ses Jah­res. Über 200 inter­es­sier­te Besu­cher mach­ten sich auf den Weg in den Saa­le-Holz­land-Kreis und besich­tig­ten Fuge No. 1. So wird aus der gefürch­te­ten Land­flucht viel­leicht künf­tig eine Land­sucht, wer weiß.

Zum Wett­be­werb

Die Lan­des­bau­spar­kas­sen und die Zeit­schrift DAS HAUS“ ver­an­stal­ten seit 1983 jähr­lich den Bau­her­ren-Wett­be­werb um DAS GOLDENE HAUS“. In 35 Jah­ren wur­den im Rah­men des Wett­be­werbs 360 Objek­te aus­ge­zeich­net und ins­ge­samt über eine Mil­li­on Euro (1.026.500 Euro) an die Preis­trä­ger ver­teilt.

Der dies­jäh­ri­gen Jury gehör­ten an: Prof. Dipl.-Ing. Clau­dia Lüling, Pro­fes­so­rin für Ent­wer­fen und Gestal­ten an der Uni­ver­si­ty of App­lied Sci­ence (AUS) Frank­furt, Jens Grel­le, Vor­stands­vor­sit­zen­der der LBS Schles­wig-Hol­stein-Ham­burg, und Gun­nar Brand, Res­sort­lei­ter Bau­en & Reno­vie­ren DAS HAUS.


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